"Die Rheinpfalz" vom 15.März 2007

Zeitreise in das barocke Italien

Auf eine Zeitreise geschickt hat am Sonntag die „Capella Caesarea“ ihr Publikum bei ihrem Konzert in der Protestantische Kirche in Haardt. Nicht nur die Instrumente waren dabei Zeugen aus vergangener Zeit. Auch die Aufführungspraxis war der des barocken Norditaliens nachempfunden.

Venedig im 17.Jahrhundert: Prächtige Stadt und Anzugspunkt für viele Musiker und bedeutende Künstler. Genau dieses Bild schienen viele Besucher des Konzertes vor Augen gehabt zu haben , als sie die historischen Instrumente von einst hörten.
Den ersten Teil des Programms präsentierte das Ensemble von der Empore der Kirche. Dabei konnten sich die Zuhörer mit den Instrumenten vertraut machen: Dem Zink, Dulzian, Chitarrone, der Barockvioline, Barockposaune und der Orgel beziehungsweise dem Cembalo. Nach der „Canzon La Bandina“ von Giulio Mussi positionierten sich die Musiker zwischen das Publikum in den Altarbereich und setzten ihr Konzert fort. Ein Höhepunkt war das Solo-Spiel der Chitarrone- Spielerin Andrea Baur, die die „Toccata Seconda Arpeggiata“ von Girolamo Kapsberger interpretierte. Die Zuschauer lauschten dabei den Akkorden des Lauten-ähnlich gezupften Instrumentes. Bei der „Canzone francese“ von Benedetto Re teilte sich die „Capella Caesarea“ in zwei Gruppen, die später in einer Art musikalischem Dialog von verschiedenen Orten im Raum miteinander kommunizierten: Barockposaune, Zink und Cembalo musizierten vom Altarraum zwischen den Zuschauern, während die Barockvioline, Chitarrone und Dulzian von der Empore „sprachen“. Diese Art der Aufführung geht auf die Venezianische Mehrchörigkeit zurück, bei der ein Ensemble die Architektur einer Kirche oder Konzertsaales ausnutzte, und sich in den verschiedenen Ecken positionierte. Daraus ergeben sich während des Spiels farbenreiche Kontraste der Instrumentengruppen.
Die historische Aufführungspraxis des Ensembles kam beim Haardter Publikum sehr gut an. Wie würde das Ensemble und unsere moderne Musikkultur in der damaligen Zeit wirken? „Capella Caesarea“ hätte bestimmt kein Problem, die Jury, „la giuria“, bestehend aus Monteverdi und Vivaldi, beim „Concorso“ zu „Venedig sucht barockes Ensemble“ zu überzeugen. Die „Performance“ würde Monteverdi als „eccellente“ titulieren. Sofort würde es auserwählt werden, in die „Scuola Grande di San Rocco“, einer der damaligen Künstlerschulen, „einzuziehen“. Wenn es Zweifel von Seiten der Jury gegeben hätte, würden die Zuhörer per Handzeichen sofort für „Capella Caesarea“ abstimmen – wie heute. Nur mit dem Unterschied, dass es sich in der Haardter Kirche am Sonntag um lautstarken Applaus handelte. (wist)

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