Alte Musik klingt ganz unverstaubt

Pfedelbach - Seit sieben Jahren besteht das internationale Ensemble Capella Caesarea, das sich der Musik vor 1800 und den entsprechenden Instrumenten verschrieben hat. In Pfedelbach stand Musik des Frühbarock auf dem Programm. Das ist die Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit all ihren Schrecken. Wenn die Musik jener Epoche dennoch oft fröhlich, ja unbeschwert klingt, so mag der Dennoch-Gedanke des Komponisten dahinterstehen. Das kurzweilige Programm enthielt ein gutes dutzend Namen, die nicht nur in ihrer Zeit große Bedeutung hatten. Auch heute noch werden sie von Kennern hoch geachtet, was sich auch an dem guten Besuch zeigte.
Kühne Harmonik Beschwingt begann das Konzert mit Johann Hermann Scheins Intrada. Sogleich fiel auf, dass Andreas Pilger seine Renaissance-Violine nicht am Kinn, sondern tiefer hält. Mehrere Taktwechsel betonten den spontanen Charakter. Fröhlich, kontrast- und akzentreich klang Philipp Friedrich Buchners Sonata, in der das kunstvolle Fugatospiel hervorstach. Fingerfertig bot Evelyn Laib auf dem Orgelpositiv Dietrich Buxtehudes umfangreiche Toccata von 1656. Seine zuweilen kühne Harmonik mag die Zeitgenossen sicherlich befremdet haben.
Von Johann Rosenmüller ist bekannt, dass er in Leipzig als Vertreter des Thomaskantors wirkte, wegen sittlicher Verfehlungen hinter Gitter kam, dann aber nach Venedig fliehen konnte. Dort brachte er es zu großem Ruhm. In seiner Sonata settima fiel die absteigende Chromatik als Ausdruck starker Emotionen auf. Der Wechsel von melodiebetonten, mehr akkordischen und polyphonen Abschnitten wirkt sehr lebendig. Melancholische Momente und gänzlich überraschende Tonarten deuten auf Claudio Monteverdi als sein Vorbild hin.
Auf der Chitarrone ließ Andrea Baur zwei Stücke von Girolamo Kapsberger hören. Aus der Flut der umrankenden Arpeggien arbeitete sie geschickt das Thema heraus. Auch der Tanz „Canario“ gefiel in seiner ausgesprochen virtuosen Manier.
Zuhörer mitgerissen Einer der bedeutendsten Musiker am Wiener Hof war Heinrich Schmelzer. In seiner Sonata „La Carolietta“ ergaben sich immer wieder kunstvolle Duos zwischen Violine und Chitarrone sowie Posaune (Peter Stelzl) und Orgel. Dasselbe gelang mit Chitarrone und Zink (Hans-Jakob Bollinger) sowie Dulzian und Orgel, wo alle Künstler ihr vielseitiges Können ins rechte Licht setzten. Mit ihrem Temperament, ihrer Spiellaune und Virtuosität rissen sie die Zuhörer mit. So gab es auch noch eine fröhliche Zugabe des Italieners Giovanni Battista Buonamente.
Von Ingrid Heydecke-Seidel
Hohenloher Zeitung vom 19. August 2009

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